Es gibt Tage, die beginnen schon verdächtig.

Der Kaffee wird kalt, bevor man ihn trinken kann. Man sucht etwas, das gerade noch auf dem Tisch lag. Eine Nachricht kommt genau in dem Moment, in dem man eigentlich seine Ruhe haben wollte. Und spätestens wenn man sich mit dem kleinen Zeh an einem Möbelstück stößt, ist klar:

Heute möchte offenbar niemand einen Preis für Lebensfreude gewinnen.

An solchen Tagen helfen keine Sätze wie:

„Du musst einfach positiv denken.“

Vielen Dank.

Das hätte man ohne diesen Hinweis natürlich niemals versucht.

Manchmal muss ein schlechter Tag auch gar nicht plötzlich fantastisch werden. Vielleicht reicht es vollkommen, wenn er ein bisschen weniger anstrengend wird.

Hier kommen deshalb ein paar kleine Dinge, die keine Wunder versprechen, aber erstaunlich viel angenehmer machen können.

1. Hör auf, den ganzen Tag retten zu wollen

Wenn morgens etwas schiefläuft, passiert schnell etwas Merkwürdiges.

Wir erklären innerlich den gesamten Tag für gescheitert.

Der Vormittag war chaotisch?

Dann kann der Nachmittag offenbar auch direkt einpacken.

Dabei besteht ein Tag aus ziemlich vielen einzelnen Stunden. Und nur weil drei davon schlecht waren, müssen die restlichen nicht zwangsläufig solidarisch mitmachen.

Vielleicht wird heute kein großartiger Tag.

Aber ein mittelmäßiger Nachmittag ist immerhin schon eine Verbesserung.

Man muss schließlich nicht jeden Tag retten.

Manchmal reicht Schadensbegrenzung.

2. Mach etwas, bei dem nichts erreicht werden muss

Wir verbringen erstaunlich viel Zeit damit, Ergebnisse zu produzieren.

Arbeiten. Aufräumen. Organisieren. Antworten. Erledigen.

Selbst Hobbys bekommen inzwischen gern Ziele.

10.000 Schritte. 30 Tage Challenge. Eine Stunde Training. Ein fertiges Projekt.

Vielleicht darf man zwischendurch aber auch einfach etwas tun, das keinen messbaren Nutzen hat.

Ein Bild ausmalen. Etwas kritzeln. Ein paar Blumen zeichnen.

Musik hören und dabei vollkommen unproduktiv aus dem Fenster schauen.

Das Ergebnis muss nirgendwo hochgeladen werden.

Niemand muss beeindruckt sein.

Es darf einfach zehn Minuten Spaß machen.

Wenn du für solche kreativen Pausen gern etwas zum Ausmalen vor dir hast, findest du hier meine Ausmalbilder für Erwachsene.

3. Beschäftige deine Hände und gib deinem Kopf kurz frei

Manchmal hilft es erstaunlich gut, etwas mit den Händen zu machen.

Malen, stricken, puzzeln, backen, schreiben, Pflanzen umtopfen oder irgendeine andere Tätigkeit, bei der die Gedanken nicht permanent die Hauptrolle spielen.

Beim Ausmalen beispielsweise richtet sich die Aufmerksamkeit plötzlich auf vollkommen andere Probleme:

Welche Farbe nehme ich?

Passt das Blau zum Grün?

Warum besitze ich sieben verschiedene Grautöne?

Das sind gelegentlich sehr angenehme Probleme.

Gerade kreative Tätigkeiten können eine kleine Unterbrechung vom Gedankenkarussell schaffen.

Und wenn man irgendwann anfängt, sich für Alkoholmarker, Buntstifte oder Aquarellfarben zu interessieren, entdeckt man nebenbei noch eine vollkommen neue Kategorie von Dingen, von denen man vorher nicht wusste, dass man sie unbedingt braucht.

4. Geh für zehn Minuten raus

Nein, du musst keinen zweistündigen Waldspaziergang machen.

Du brauchst auch keine perfekt geplante Wanderroute.

Manchmal reichen zehn Minuten.

Einmal um den Block. Zum Briefkasten. Zum Bäcker.

Oder einfach ein kleines Stück laufen und anschließend wieder zurück.

Ein Ortswechsel unterbricht zumindest kurz das, was vorher im Kopf und um einen herum passiert ist.

Und manchmal stellt man draußen fest:

Die Welt existiert noch.

Menschen führen Hunde spazieren.

Jemand trägt Einkäufe nach Hause.

Ein Kind fährt mit dem Roller vorbei.

Und erstaunlicherweise interessiert sich niemand dafür, dass dein Vormittag miserabel war.

Das kann durchaus angenehm sein.

5. Iss etwas Vernünftiges

Schlechte Laune und Hunger sind eine Kombination, die man nicht unterschätzen sollte.

Plötzlich ist nicht mehr nur der Tag schlecht.

Plötzlich ist die gesamte Menschheit fragwürdig.

Bevor man also weitreichende Entscheidungen trifft, könnte man zunächst etwas essen.

Keine komplizierte Wellness Bowl mit 17 Zutaten.

Ein Brot reicht. Eine Suppe. Pasta. Obst.

Etwas, das satt macht und nicht erst fotografiert werden muss.

Manchmal sieht die Welt nach dem Essen überraschend weniger dramatisch aus.

6. Mach dein Handy für eine Weile uninteressant

Wenn ein Tag ohnehin schon schwierig ist, muss man nicht zusätzlich erfahren, dass andere Menschen gerade im Urlaub sind, ihre Wohnung renoviert haben, morgens um 5.30 Uhr joggen waren und anschließend ein perfektes Frühstück für zwölf Personen vorbereitet haben.

Vielleicht stimmt sogar alles davon.

Vielleicht auch nicht.

Für deinen aktuellen Tag ist es jedenfalls vollkommen egal.

Leg das Handy für eine halbe Stunde weg.

Nicht als Digital Detox Challenge.

Nicht als neue Gewohnheit.

Einfach nur, damit für dreißig Minuten niemand etwas von dir möchte.

Das ist manchmal Luxus genug.

7. Lies etwas, das dich aus deinem eigenen Kopf holt

Es gibt Bücher, bei denen man nach drei Seiten vergessen hat, dass man eigentlich schlechte Laune hatte.

Das muss kein anspruchsvolles Sachbuch sein.

Ein Roman. Ein Krimi. Etwas Lustiges.

Ein paar Seiten reichen manchmal schon.

Der Vorteil von Büchern ist ziemlich praktisch:

Für eine gewisse Zeit beschäftigt man sich mit den Problemen anderer Menschen.

Und die sind häufig wesentlich dramatischer als die eigenen.

Mordfälle, Familiengeheimnisse, verschwundene Personen, komplizierte Liebesgeschichten.

Danach wirkt der eigene kaputte Vormittag möglicherweise schon fast überschaubar.

8. Erlaub dir eine sehr kleine Verbesserung

An schlechten Tagen denken wir oft zu groß.

Was müsste passieren, damit es mir wieder richtig gut geht?

Vielleicht ist das heute gar nicht die richtige Frage.

Die bessere könnte sein:

Was würde die nächsten zwanzig Minuten ein bisschen angenehmer machen?

Eine Dusche? Eine Tasse Tee? Frische Bettwäsche? Musik?

Eine Folge deiner Lieblingsserie? Ein Spaziergang? Eine Kerze anzünden?

Manchmal muss Wohlbefinden nicht spektakulär sein.

Es kann auch einfach bedeuten, dass etwas gerade ein kleines bisschen angenehmer wird.

9. Mach etwas, das du schon lange ausprobieren wolltest

Vielleicht liegt irgendwo ein Skizzenbuch herum.

Vielleicht wolltest du schon länger Aquarell ausprobieren.

Oder Brot backen. Fermentieren. Fotografieren. Schreiben.

Man muss daraus nicht sofort ein neues Hobby inklusive Fachausrüstung machen.

Man kann auch einfach anfangen.

Schlechter Tag?

Vielleicht ist genau heute der richtige Zeitpunkt, irgendetwas vollkommen Neues für zwanzig Minuten auszuprobieren.

Wenn es Spaß macht, wunderbar.

Wenn nicht, weißt du wenigstens, dass Töpfern möglicherweise doch nicht deine Berufung war.

Vielleicht ist Zeichnen lernen dein Ding. Auch Erkenntnisse sind Fortschritt.

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10. Rede mit jemandem, bei dem du nicht funktionieren musst

Nicht jedes Gespräch muss eine Problemlösung hervorbringen.

Manchmal möchte man einfach sagen:

Heute ist irgendwie alles doof.

Und der andere Mensch sagt:

Ja, klingt wirklich doof.

Fertig.

Kein Coaching.

Keine Analyse.

Keine sieben Schritte zur Persönlichkeitsentwicklung.

Einfach jemand, bei dem man nicht erklären muss, warum man gerade schlecht gelaunt ist.

Solche Gespräche können unglaublich wertvoll sein.

11. Erledige genau eine Sache

Es gibt schlechte Tage, an denen die To do Liste aussieht wie eine persönliche Drohung.

Dann hilft möglicherweise folgende revolutionäre Idee:

Mach eine Sache. Nicht alles. Eine.

Die Rechnung bezahlen.

Die Waschmaschine einschalten.

Die E Mail beantworten.

Den Müll rausbringen.

Danach darfst du entscheiden, ob noch etwas geht.

Und falls nicht?

Dann wurde immerhin etwas erledigt.

Das ist deutlich besser als den ganzen Nachmittag mit schlechtem Gewissen auf zwölf unerledigte Aufgaben zu schauen.

12. Geh früher ins Bett

Manche Tage brauchen keine tiefere Analyse.

Sie müssen einfach enden.

Du musst nicht herausfinden, was das Universum dir heute sagen wollte.

Vielleicht wollte es überhaupt nichts sagen.

Vielleicht war Donnerstag einfach mies.

Dann darf Donnerstag irgendwann vorbei sein.

Mach es dir gemütlich.

Licht aus. Handy weg.

Und morgen wird neu verhandelt.

Ein schlechter Tag ist kein schlechtes Leben

Nicht jeder Tag muss schön sein.

Nicht jeder Tag muss produktiv sein.

Und schon gar nicht muss aus jedem schlechten Tag anschließend eine wertvolle Lektion entstehen.

Manchmal war es einfach ein schlechter Tag.

Das darf so sein.

Vielleicht kannst du ihn nicht retten.

Aber du kannst dir zwischendurch kleine Inseln bauen.

Etwas Kreatives.

Ein gutes Essen.

Ein paar Seiten in einem Buch.

Zehn Minuten draußen.

Ein Gespräch.

Oder schlicht früher ins Bett gehen.

Und manchmal ist das vollkommen genug.

Falls heute also nicht dein Tag ist:

Du musst ihn nicht mehr großartig machen.

Mach ihn einfach ein bisschen angenehmer.

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