Es gibt Tage, an denen eigentlich gar nichts Dramatisches passiert und man trotzdem irgendwann das Gefühl hat, dass einfach alles zu viel ist. Der Fernseher läuft, das Handy piept, jemand stellt eine Frage, draußen fährt ein Lieferwagen rückwärts und irgendwo schleudert die Waschmaschine mit der Entschlossenheit eines startenden Flugzeugs. Wenn dann noch eine Nachricht aufpoppt, ein Termin verschoben wird und der Kühlschrank seltsame Geräusche macht, möchte man gelegentlich einfach in einen sehr stillen Schrank ziehen.

Reizüberflutung entsteht nicht nur durch digitale Medien. Natürlich spielen Smartphone, Nachrichten und soziale Netzwerke eine Rolle, aber unser Alltag besteht aus weit mehr Reizen. Licht, Geräusche, Gerüche, Gespräche, Verpflichtungen, Informationen, Termine, Werbung, Entscheidungen und ständige Erreichbarkeit treffen oft gleichzeitig aufeinander. Vieles davon fällt einzeln kaum auf. In der Summe kann es trotzdem anstrengend werden.

Das Schwierige daran ist, dass wir uns an viele dieser Reize gewöhnt haben. Wir bemerken sie erst dann richtig, wenn die innere Geduld plötzlich ungewöhnlich kurz geworden ist. Dann nervt nicht nur das laute Geräusch, sondern auch die offene Schranktür, das Etikett im Pullover, die Person vor uns an der Kasse und wahrscheinlich auch noch die Art, wie jemand besonders enthusiastisch eine Tüte Chips öffnet.

Warum unser Alltag manchmal wie 17 offene Browserfenster wirkt

Vielleicht kennst du diesen Moment am Computer: Du hast immer mehr Tabs geöffnet, weil du jeden davon später noch brauchst. Einer enthält einen Artikel, einer einen Shop, einer eine Mail, irgendwo läuft Musik und mindestens drei Fenster hast du längst vergessen. Irgendwann weißt du nicht mehr, wo eigentlich das war, wonach du ursprünglich gesucht hast.

Mit unserem Alltag kann etwas Ähnliches passieren.

Während wir eine Aufgabe erledigen, denken wir bereits an die nächste. Gleichzeitig hören wir ein Gespräch, bekommen eine Nachricht, erinnern uns an einen Termin und überlegen noch, was später gekocht werden soll. Jede einzelne Information ist vielleicht harmlos, aber sie konkurriert um Aufmerksamkeit.

Unser Gehirn kann viele Informationen verarbeiten, aber Aufmerksamkeit ist trotzdem keine unbegrenzte Ressource. Ständige Unterbrechungen und Wechsel zwischen verschiedenen Aufgaben können Konzentration erschweren und ermüden. Das merkt man häufig nicht sofort. Man merkt nur irgendwann, dass man gereizt ist oder dass selbst kleine Entscheidungen plötzlich erstaunlich anstrengend wirken.

Dann steht man beispielsweise vor dem Kühlschrank und soll entscheiden, ob man Käse oder Marmelade möchte, und hat spontan das Gefühl, diese Verantwortung sei heute unangemessen groß.

Lärm, Licht, Gespräche und warum Kleinigkeiten plötzlich nerven

Reizüberflutung muss nicht spektakulär sein. Manchmal ist es einfach ein Tag mit zu vielen kleinen Dingen.

Ein helles Büro.

Dauernde Gespräche im Hintergrund.

Straßenlärm.

Musik im Supermarkt.

Werbung auf Bildschirmen.

Benachrichtigungen.

Menschen, die etwas wissen möchten.

Termine.

Vielleicht zusätzlich wenig Schlaf oder ein ohnehin voller Kopf.

Dann kann ein weiterer kleiner Reiz reichen, damit die Toleranzgrenze erreicht ist.

Das bedeutet nicht automatisch, dass der letzte Reiz besonders schlimm war. Vielleicht war es nur der berühmte letzte Tropfen.

Deshalb kennt wahrscheinlich fast jeder diese merkwürdige Situation, in der man den ganzen Tag erstaunlich gelassen bleibt und dann abends wegen einer nicht richtig schließenden Schublade beinahe die Beziehung zur gesamten Möbelindustrie beendet.

Reizüberflutung ist nicht dasselbe wie Digital Detox

Das Smartphone kann ein großer Reizlieferant sein, aber es ist eben nur einer von vielen.

Man kann das Handy weglegen und trotzdem in einem hell beleuchteten Raum sitzen, während der Fernseher läuft, jemand telefoniert und drei Dinge gleichzeitig erledigt werden sollen.

Deshalb geht es bei einem reizärmeren Alltag nicht nur darum, weniger online zu sein.

Es geht eher darum, zwischendurch die Menge dessen zu reduzieren, was gleichzeitig Aufmerksamkeit verlangt.

Vielleicht bedeutet das, den Fernseher auszuschalten, wenn niemand wirklich hinsieht.

Vielleicht Musik auszumachen, obwohl man Musik eigentlich mag.

Vielleicht das große Licht gegen eine kleinere Lampe zu tauschen.

Vielleicht eine Weile nicht zu sprechen.

Oder einfach nicht noch nebenbei einen Podcast laufen zu lassen.

Wir haben uns daran gewöhnt, Leerlauf sofort zu füllen. Beim Kochen läuft etwas. Beim Putzen läuft etwas. Beim Autofahren läuft etwas. Beim Einschlafen läuft etwas.

Manchmal kann es überraschend angenehm sein, wenn einfach nichts läuft.

Was ein reizärmerer Abend eigentlich bedeutet

Ein reizärmerer Abend muss nicht aussehen wie ein Wellnesshotel.

Du brauchst weder Klangschale noch weiße Leinenkleidung noch eine Wohnung, in der ausschließlich Kerzen brennen.

Es geht vielmehr darum, bewusst ein paar Reize herauszunehmen.

Das große Deckenlicht aus.

Eine kleinere Lampe an.

Handy auf lautlos.

Fernseher aus.

Vielleicht eine Tasse Tee.

Ein Buch.

Ein Ausmalbild.

Eine ruhige Tätigkeit.

Nicht alles gleichzeitig.

Das klingt banal, aber genau darin liegt der Punkt.

Wenn ein Tag bereits voller Eindrücke war, braucht der Abend vielleicht nicht noch mehr Unterhaltung.

Manchmal braucht er weniger.

Warum man nicht immer noch etwas erleben muss

Freizeit hat inzwischen gelegentlich einen erstaunlich hohen Leistungsanspruch.

Man soll ausgehen.

Menschen treffen.

Reisen.

Sport machen.

Kultur erleben.

Neue Restaurants testen.

Hobbys pflegen.

Und natürlich alles genießen.

Das kann wunderbar sein.

Aber manchmal möchte man vielleicht einfach nichts erleben.

Und auch das ist Freizeit.

Ein Abend zu Hause muss nicht automatisch eine verpasste Gelegenheit sein. Vielleicht war der Tag bereits ereignisreich genug.

Wir müssen nicht jeden freien Zeitraum mit einem Programmpunkt versehen. Gerade wenn viele Reize zusammenkommen, kann ein Abend ohne besondere Ereignisse ausgesprochen angenehm sein.

Keine Verabredung.

Keine Veranstaltung.

Kein neues Projekt.

Vielleicht nur Abendessen, eine Dusche und ein Buch.

Das klingt nicht spektakulär.

Aber Spektakel war möglicherweise genau das Problem.

Ruhige Beschäftigungen sind nicht langweilig

Wenn Menschen über Entspannung sprechen, klingt es manchmal so, als müsse man vollkommen still sitzen und an nichts denken.

Das funktioniert für viele hervorragend.

Für andere ungefähr sieben Sekunden.

Dann beginnt der Kopf mit einer internen Konferenz.

Deshalb können ruhige Beschäftigungen hilfreich sein. Sie geben der Aufmerksamkeit etwas Konkretes, ohne gleichzeitig besonders viele neue Reize zu erzeugen.

Lesen.

Malen.

Puzzeln.

Stricken.

Zeichnen.

Ein einfaches Rezept kochen.

Pflanzen versorgen.

Vielleicht auch nur Fotos sortieren.

Es geht nicht darum, produktiv zu sein. Es geht darum, etwas zu tun, das weniger fordert als der restliche Tag.

Wenn du deinen Abend gern mit einer ruhigen kreativen Beschäftigung verbringen möchtest, findest du hier meine Ausmalbilder für Erwachsene.

Manchmal darf es tatsächlich still sein

Stille kann zunächst ungewohnt wirken.

Viele von uns leben fast permanent mit Hintergrundgeräuschen. Musik, Radio, Podcast, Fernseher, Straßenlärm, Gespräche oder Benachrichtigungen gehören selbstverständlich dazu.

Wenn all das plötzlich wegfällt, fühlt es sich manchmal sogar merkwürdig an.

Aber gerade deshalb kann es interessant sein, gelegentlich bewusst ein paar Minuten ohne Hintergrundprogramm zu verbringen.

Nicht als große Achtsamkeitsübung.

Einfach als Pause.

Vielleicht beim Kaffee.

Beim Duschen.

Beim Kochen.

Oder abends vor dem Schlafengehen.

Man muss nicht jede Sekunde mit Information versorgen.

Das Gehirn wird die freie Stelle wahrscheinlich überleben.

Ohrstöpsel sind manchmal erstaunlich unspektakulär hilfreich

Natürlich kann man nicht jeden Lärm ausschalten.

Straßenverkehr bleibt Straßenverkehr.

Nachbarn bleiben Nachbarn.

Und manche Haushaltsgeräte besitzen offensichtlich künstlerische Ambitionen.

Bei bestimmten Situationen können einfache Ohrstöpsel trotzdem hilfreich sein, beispielsweise beim Lesen, auf Reisen oder wenn man sich für eine Weile besser konzentrieren möchte.

Auch Licht kann anstrengend sein

Nicht nur Geräusche können uns irgendwann zu viel werden.

Auch sehr helles oder kaltes Licht kann am Abend unangenehm wirken. Gerade nach einem langen Tag empfinden viele Menschen eine ruhigere Beleuchtung als angenehmer.

Das bedeutet nicht, dass die Wohnung ab 18 Uhr aussehen muss wie eine mittelalterliche Burg.

Aber vielleicht muss auch nicht jede Deckenlampe gleichzeitig beweisen, dass sie funktioniert.

Eine kleine Lampe reicht manchmal.

Das verändert erstaunlich schnell die Atmosphäre eines Raumes.

Und plötzlich fühlt sich ein normaler Dienstag ein bisschen weniger nach Wartezimmer an.

Kleine Möglichkeiten, den Alltag leiser zu machen

Ein reizärmerer Alltag braucht keine radikale Veränderung.

Oft sind es kleine Entscheidungen.

Nicht überall gleichzeitig Musik laufen lassen.

Benachrichtigungen reduzieren.

Beim Essen den Fernseher auslassen.

Zwischendurch alleine spazieren.

Das Licht am Abend etwas herunterfahren.

Nicht jede freie Minute mit Inhalt füllen.

Eine Tätigkeit nach der anderen machen.

Vielleicht sogar einmal einen Raum aufräumen, wenn zu viele sichtbare Dinge zusätzlich Unruhe erzeugen.

Dabei geht es nicht darum, in einer vollkommen stillen und minimalistischen Welt zu leben.

Das wäre wahrscheinlich weder realistisch noch besonders interessant.

Es geht nur darum, zu merken, wann es zu viel wird.

Und dann nicht noch mehr hinzuzufügen.

Ein Entspannungskurs kann eine gute Ergänzung sein

Manchmal möchte man mehr ausprobieren als einfach nur einen ruhigeren Abend.

Atemübungen, Entspannungsverfahren, Meditation oder andere Methoden können helfen, bewusster Pausen in den Alltag einzubauen.

Dabei lohnt es sich, etwas zu wählen, das zur eigenen Persönlichkeit passt.

Nicht jeder möchte meditieren.

Nicht jeder liebt Yoga.

Und niemand muss plötzlich morgens um fünf auf einer Matte sitzen, nur weil das Internet behauptet, erfolgreiche Menschen täten das.

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Vielleicht ist nicht alles zu viel, sondern einfach zu viel gleichzeitig

Das ist wahrscheinlich der wichtigste Gedanke bei Reizüberflutung.

Nicht jeder einzelne Reiz muss problematisch sein.

Musik ist schön.

Gespräche sind schön.

Menschen treffen ist schön.

Das Smartphone kann praktisch sein.

Fernsehen kann unterhalten.

Termine können Spaß machen.

Aber alles gleichzeitig kann irgendwann anstrengend werden.

Vielleicht braucht man deshalb nicht unbedingt weniger Leben.

Nur gelegentlich weniger davon zur selben Zeit.

Wenn also am Ende eines langen Tages plötzlich jedes Geräusch nervt, das Licht zu hell erscheint und selbst eine harmlose Frage unangemessen kompliziert klingt, muss nicht sofort ein vollkommen neues Leben her.

Vielleicht reicht für heute:

Fernseher aus.

Handy weg.

Kleine Lampe an.

Tür zu.

Und fünf Minuten lang soll bitte einfach niemand irgendetwas wollen.

Auch die Waschmaschine nicht.

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