Es beginnt meistens völlig harmlos. Man sieht ein kurzes Video, in dem jemand eine kleine Fläche mit einem Alkoholmarker ausmalt. Dann kommt eine zweite Farbe dazu. Ein bisschen Schatten. Ein weißer Lichtpunkt. Fertig.

Das Ergebnis sieht hervorragend aus.

Also schaut man noch ein Video.

Und noch eins.

Eine halbe Stunde später sitzt man da und überlegt ernsthaft, ob man ein Set mit 168 Alkoholmarkern braucht, obwohl man bis gestern nicht einmal wusste, dass es 168 Farben gibt, die man dringend besitzen könnte.

Willkommen in der Welt von ColorTok, Cozy Coloring, Cute Coloring und all den anderen wunderbaren Ausreden, neue Stifte zu kaufen.

Ausmalen für Erwachsene ist wieder ziemlich cool

Ausmalbücher für Erwachsene sind natürlich keine neue Erfindung. Vor einigen Jahren waren vor allem aufwendige Mandalas, florale Muster und extrem detaillierte Motive beliebt. Je kleiner die Fläche, desto besser, zumindest hatte man manchmal den Eindruck.

Inzwischen zeigt sich in der Coloring Community ein deutlich anderer Stil. Klare Konturen, größere Flächen, niedliche Motive, gemütliche Szenen und Bilder, die nicht drei Wochen Urlaub benötigen, bis sie fertig ausgemalt sind.

Begriffe wie Cozy Coloring, Cute Coloring oder Bold & Easy Coloring begegnen einem immer häufiger. Dazu kommen verspielte Whimsy Figuren, kleine Fantasiewelten und jede Menge Farbe.

Und natürlich Alkoholmarker.

Sehr viele Alkoholmarker.

Was ist eigentlich ColorTok?

ColorTok bezeichnet den Teil von TikTok, in dem sich alles ums Ausmalen dreht. Menschen zeigen dort ihre fertigen Bilder, neue Malbücher, Farbkombinationen, kleine Tricks, Materialien und verschiedene Coloring Challenges.

Das Spannende daran: Man muss kein professioneller Künstler sein.

Es geht nicht darum, ein Werk für die nächste Museumsausstellung zu produzieren. Man schaut anderen beim Kolorieren zu, bekommt Lust auf Farben und denkt irgendwann:

Das könnte ich auch mal ausprobieren.

Und genau das dürfte einen Teil des Reizes ausmachen.

Ausmalen ist unkompliziert. Das Motiv ist bereits vorhanden. Man muss nicht vor einem weißen Blatt sitzen und darauf warten, dass die große künstlerische Erleuchtung eintritt.

Man braucht eigentlich nur ein Bild und ein paar Farben.

Theoretisch.

Praktisch kommen später häufig noch Marker, Buntstifte, weiße Gelstifte, Acrylmarker und ungefähr zwölf Farbtöne hinzu, die alle erstaunlicherweise vollkommen unterschiedlich aussehen.

Warum sind Alkoholmarker so beliebt?

Wer einmal ein Video gesehen hat, in dem eine größere Fläche mit einem Alkoholmarker gleichmäßig eingefärbt wird, versteht den Reiz vermutlich ziemlich schnell.

Alkoholmarker können kräftige, satte Farben erzeugen. Verschiedene Farbtöne lassen sich miteinander kombinieren, Schatten können aufgebaut und Übergänge gestaltet werden.

Gerade bei Motiven mit klaren Linien und ausreichend großen Flächen kommen sie besonders schön zur Geltung.

Und dann gibt es natürlich diesen Moment, wenn man zum Schluss mit einem weißen Stift kleine Lichtpunkte ergänzt und plötzlich denkt:

Aha. Jetzt bin ich offenbar Illustratorin.

Zumindest für ungefähr sieben Minuten.

Ein kleiner Hinweis für deinen Küchentisch

Alkoholmarker haben allerdings eine Eigenschaft, über die man besser vorher Bescheid weiß:

Sie können durch Papier durchbluten.

Und zwar ausgesprochen motiviert.

Bei ausgedruckten Ausmalbildern lohnt sich deshalb geeignetes stärkeres Papier. Zusätzlich sollte immer eine Unterlage unter das Bild gelegt werden.

Sonst besitzt man anschließend möglicherweise nicht nur ein koloriertes Kunstwerk, sondern auch einen dauerhaft dekorierten Esstisch.

Das war vermutlich nicht das Ziel.

Cute, Cozy und Whimsy: Was ist eigentlich der Unterschied?

Die Grenzen sind nicht streng festgelegt und viele Stile überschneiden sich.

Cozy Coloring dreht sich häufig um gemütliche Motive. Kleine Zimmer, Bücher, Pflanzen, Cafés, Tiere, Küchen, Decken und all die Dinge, bei denen man spontan das Bedürfnis bekommt, Tee zu kochen.

Cute Coloring darf einfach niedlich sein. Tiere, kleine Figuren, Süßigkeiten, freundliche Gesichter und charmante Alltagsszenen gehören häufig dazu.

Bold & Easy beschreibt eher die Gestaltung der Bilder. Deutlichere Konturen, größere Flächen und weniger winzige Details machen die Motive besonders markerfreundlich.

Und dann gibt es noch Whimsy.

Whimsy ist für mich die etwas eigenwilligere Verwandtschaft.

Verspielt, fantasievoll, ein bisschen verrückt und nicht unbedingt logisch.

Eine Figur darf eine extravagante Frisur tragen. Die Brille darf viel zu groß sein. Ein Outfit darf ein bisschen mehr wollen als unbedingt notwendig wäre.

Normal wäre schließlich auch eine Möglichkeit.

Aber nicht die einzige.

Bei mir entstand aus dieser Mischung aus Ausmalen, Fantasie und einem gewissen Hang zu ungewöhnlichen Figuren irgendwann Truly.

Truly ist meine wiederkehrende Whimsy Figur.

Sie hat einen großen Kopf, ihre markante runde Brille, einen langen Hals, wechselnde Frisuren und vor allem eines:

Sie bleibt nicht besonders lange am selben Ort.

Mal reist sie.

Mal steht sie im Garten.

Mal wird es modisch.

Mal landet sie mitten in Halloween.

Und manchmal weiß vermutlich selbst Truly morgens noch nicht genau, was sie am Abend tragen wird.

Was allerdings nicht unbedingt ein ungewöhnliches Problem ist.

Warum ich nicht einfach irgendeine neue Figur zeichnen wollte

Bei vielen Ausmalbildern sieht man ein Motiv genau einmal.

Das ist vollkommen in Ordnung.

Mich hat aber die Idee gereizt, eine Figur zu entwickeln, die immer wieder auftaucht und trotzdem jedes Mal anders aussieht.

Truly bekommt unterschiedliche Outfits, Frisuren, Accessoires, Posen und Themenwelten. Ihre grundlegende Persönlichkeit und ihre typische Optik bleiben dabei erhalten.

Dadurch entsteht nach und nach eine kleine eigene Welt.

Wer Truly einmal im Garten kennengelernt hat, kann später mit ihr verreisen, Halloween feiern oder eine ganz andere Seite von ihr entdecken.

So wird aus einem einzelnen Ausmalbild eine Serie.

Und aus der Serie möglicherweise irgendwann die Frage:

Welche Truly fehlt mir eigentlich noch?

Das ist der Moment, in dem Sammlerinstinkte gefährlich werden.

Truly trifft Alkoholmarker

Besonders spannend finde ich Truly in Kombination mit Alkoholmarkern.

Ihre Outfits, Haare, Brillen und Accessoires bieten genügend Raum für kräftige Farben, Schattierungen und ungewöhnliche Kombinationen.

Dabei gibt es keine vorgeschriebene Truly Farbwelt.

Vielleicht bekommt sie heute graue Haare und ein knalliges Kleid.

Morgen leuchtend blaue Haare.

Übermorgen sieht sie aus, als hätte sie beim Anziehen drei vollkommen unterschiedliche Farbschemata gleichzeitig sehr überzeugend gefunden.

Alles erlaubt.

Genau deshalb enthalten einige meiner Truly Kollektionen zusätzlich bereits kolorierte Inspirationsbilder.

Sie zeigen eine Möglichkeit.

Nicht die Möglichkeit.

Du kannst dich daran orientieren, einzelne Farbkombinationen übernehmen oder das genaue Gegenteil machen.

Truly wird sich vermutlich nicht beschweren.

Muss ich mit Alkoholmarkern gut malen können?

Nein.

Und man muss auch nicht mit Alkoholmarkern anfangen.

Buntstifte funktionieren ebenso. Filzstifte auch. Digitale Coloring Apps ebenfalls.

Wer mit Alkoholmarkern starten möchte, kann es sich zunächst einfach machen. Zwei oder drei harmonierende Farben auswählen, eine größere Fläche kolorieren und ausprobieren, wie sich die Farben miteinander verhalten.

Schatten müssen am Anfang nicht perfekt sein.

Licht muss nicht physikalisch korrekt aus exakt 37 Grad von links oben einfallen.

Und falls etwas vollkommen anders aussieht als geplant, gibt es immer noch die wichtigste Regel kreativen Arbeitens:

Es war Absicht.

Funktioniert erstaunlich häufig.

Warum Ausmalen trotzdem kreativ ist

Manchmal wird Ausmalen ein wenig belächelt, weil die Zeichnung bereits vorhanden ist.

Aber Kreativität beginnt nicht erst dort, wo man ein leeres Blatt Papier besitzt.

Welche Farben passen zusammen?

Welche Stimmung soll das Bild bekommen?

Wo möchte ich Kontraste setzen?

Welche Flächen sollen hell bleiben?

Wo setze ich Schatten?

Welche Details ergänze ich?

Ein und dasselbe Ausmalbild kann von zehn Menschen koloriert werden und anschließend zehn vollkommen unterschiedliche Ergebnisse zeigen.

Die Linien geben einen Rahmen vor.

Was innerhalb dieses Rahmens passiert, entscheidest du.

Und wenn heute einfach alles Pink sein soll?

Dann ist eben alles Pink.

Vielleicht mit Orange.

Oder Türkis.

Oder genau jener Farbe aus dem Markerset, von der du beim Kauf überzeugt warst, dass du sie niemals brauchen wirst.

Kreativität muss nicht immer vernünftig sein.

Eigentlich ist sie besonders interessant, wenn sie es gelegentlich nicht ist.

Vielleicht erklärt genau das auch den Reiz von ColorTok und dem aktuellen Coloring Trend.

Man bekommt einen einfachen Einstieg, sieht relativ schnell ein Ergebnis und kann trotzdem immer weiter experimentieren.

Heute einfach ausmalen.

Morgen Schatten ausprobieren.

Übermorgen Highlights.

Und drei Wochen später diskutiert man möglicherweise ernsthaft darüber, ob man noch einen wärmeren Grauton benötigt.

So kann es gehen.

Lust, Truly kennenzulernen?

Wenn du Whimsy Ausmalbilder magst, gerne mit Farben experimentierst und keine Lust darauf hast, zum hundertsten Mal dasselbe Motiv auszumalen, kannst du Truly durch ihre verschiedenen Themenwelten begleiten.

Von fantasievollen Outfits über Garten, Reisen und besondere Anlässe bis zu etwas verrückteren Szenen zeigt sie sich immer wieder anders.

Du kannst meine kolorierten Inspirationsbilder als Vorlage verwenden oder Truly vollkommen neu erfinden.

Und falls du dafür tatsächlich noch einen weiteren Alkoholmarker brauchst:

Ich werde dich selbstverständlich nicht aufhalten.

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Dieser Abschnitt bietet einen Überblick über den Blog und präsentiert eine Vielzahl von Artikeln, Einblicken und Ressourcen, um Leser zu informieren und zu inspirieren.


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